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OA193 - Die Getreideputzmaschine

  • Karl Mayr
  • vor 4 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Dorfgeschichten

Passend zur Artikelreihe „Die Mühlen in Ostermiething“ hat mir Schmied Edith aus Ernsting die Geschichte der Getreideputzmaschine erzählt, die viele Jahre von ihrem Ziehopa, dem Jauner Hans, betrieben wurde.

Und Hennermann Franz aus Marktl, der die Maschine bis heute verwendet, konnte diese Geschichte fortsetzen.

Aufgeschrieben im Mai 2026 von Karl Mayr, Diepoltsdorf

 

Die Getreideputzmaschine

„Wie wir klein waren, da war der Binderhof in Ernsting unser Spielhof“ erzählt Edith Schmied. „Die Gebäude haben damals dem Wirt z‘Ernsting gehört und er hat da seine Maschinen in dem Gebäude gehabt. Der Binderhof steht aber nicht mehr und durch Grundzusammenlegungen gehört heute alles dem Schmidlechner.

Der damalige Binderhof in Ernsting (Foto Edith Schmied)
Der damalige Binderhof in Ernsting (Foto Edith Schmied)

Bis 1981 hat mein Ziehopa Romstätter Johann, genannt der Jauner Hans, gebürtig aus Witzling vom Oberhofergut, hier noch als Maschinist gearbeitet. Der Obmann der Getreideputzereigenossenschaft Ernsting war Esterbauer Josef, der Knabe-Bauer, der hat mit dem Ziehopa immer abgerechnet. Die Hauptsaison für die Putzmaschine war vor dem Ansäen im Frühjahr und im Herbst.

Nur noch die Mauer ist übrig (Foto Edith Schmied)
Nur noch die Mauer ist übrig (Foto Edith Schmied)

Von dem Gebäude, in dem die Putzmaschine stand, sieht man heute nur mehr eine Mauer. Das Gebäude hatte ein großes Fenster, da sind die Traktoren mit dem Wagen oder Anhänger hingefahren. Da hat der Ziehopa ein Blech drüber gelegt und mit dem Sackwagen sind die Säcke erst einmal hineingefahren und abgestellt worden. Dann wurden die vollen Säcke gewogen, und ich habe das Gewicht was er durchsagte auf den Zettel auf dem Schreibtisch aufgeschrieben. Wenn er das Gewicht durchsagte, dann immer etwas weniger, weil ja der Sack auch ein Gewicht hatte. Das Gewicht, z.B. 75 kg, war dann auch gleich der Preis in10 Groschen, also 7 Schilling 50.

Dann wurden die Säcke über die Rampe zur Maschine zum Trichter gefahren und das Getreide eingeschüttet. Da der Ziehopa Asthma hatte, war er froh, wenn ich die Säcke dort entleert habe, weil da oben hat es am meisten gestaubt. Die leeren Säcke wurden dann hinten an der Maschine wieder eingespannt zur Befüllung des geputzten Getreides.

In der Maschine war zuerst ein Gebläse. Da die Spreu und der Staub viel leichter sind als die Körner, wurden diese Verunreinigungen sofort in einen eigenen Kanal aus dem Gebäude ausgeblasen. Draußen warteten schon die Hühner und Vögel darauf.

Anschließend fiel das Getreide auf geneigte, drehende und vibrierende Siebe, die ständig gereinigt werden mussten. Gröbere Fremdkörper (Stroh) und zu kleine Unkrautsamen, wie die schwarzen Samen von den Wildkräutern, der Ausputz, fielen seitlich an der Maschine in die Müllsäcke heraus, während das gereinigte Hauptkorn hinten in die Säcke herausrieselte. Die vollen Säcke wurden dann zum Abtransport beim Tor aufgestellt.

Auf den Feldern hat man es gut erkannt, ob jemand das Getreide putzen hat lassen oder nicht. Wenn jemand nicht geputzt hat, dann sind viele Disteln und Unkräuter gestanden. Auf den Feldern mit geputztem Samen ist das reine Getreide gewachsen.

Auch Müller, wie der Lindlbauer in Ostermiething sind mit einigen Säcken gekommen, um das Getreide putzen zu lassen. Bei jeder Sorte, ob Weizen, Roggen oder Gerste, musste die Sieblinie getauscht werden. Je nach Korngröße hat das dann auch sehr lange gedauert, bis das durchgesiebt war. Es war schon eine sehr staubige Angelegenheit, aber der Ziehopa hat das mit Liebe gemacht.

Der Vollbetrieb der Putzmaschine war in den 70er Jahren. Aber später war das nicht mehr tragbar, weil jeder Roundup (Unkrautvernichtung) gespritzt hat und dann hat man das Saatgut nicht mehr putzen müssen. Auch die Mähdrescher hatten dann die Putzmaschinen zum Teil schon eingebaut. Die Putzmaschine ist dann irgendwann einmal abgebaut worden und beim Pfobm in Marktl wieder aufgebaut worden“ erzählte Edith Schmied.

Und tatsächlich, beim Pfobm Franz in Marktl nachgefragt, wartet eine Überraschung auf mich. Franz Hennermann (vulgo Pfobm) erzählt: „Nach dem Jauner Hans ist die Putzerei noch einige Zeit in Ernsting weiter betreiben worden. Dann hat der Walzinger Franz von Wimm, die Putzerei 1990 mir übergeben, ich war dann in Ernsting einige Jahre der Maschinist und habe dort von 1993 bis 2001 etwa 287.000 kg Getreide geputzt. Später, mit der Grundzusammenlegung hat der Schmiedlechner Franz gemeint, die Putzerei muss weg vom Binderhof und so habe ich die Maschine 2004 abgebaut und auf meinem Hof in Marktl wieder aufgebaut“.

Franz Hennermann mit seiner Getreideputzmaschine
Franz Hennermann mit seiner Getreideputzmaschine

Stolz zeigt Franz die Putzmaschine aus den 1960er Jahren, Fabrikat Petkus, Seriennummer 6918, der Firma Röber Saatreiniger OHG Minden mit allem drum und dran und die Überraschung war für mich noch größer, als Franz den Hauptschalter umlegte und die Maschine in Betrieb ging.

„Die Maschine ist immer noch in Betrieb. Hauptsächlich Biobauern, die keine Unkrautvernichtung spritzen wollen, putzen die Saat immer noch bei mir. Das dauert dann sehr lange, wenn man möchte, dass das wirklich sauber wird.

Das Getreide wird natürlich nicht mehr in Säcken geliefert, sondern mit einer Schnecke aus dem Anhänger in den Trichter gehoben und über ein Fallrohr abtransportiert.“ erzählt Franz weiter „und gewogen wird nicht mehr mit der alten Sauwaage, sondern mit einer elektronischen Waage und mit dem Drucker ausgedruckt.

Die Getreideputzereigenossenschaft Ernsting besteht auch immer noch, der Obmann ist Wolfgang Mayr, der Wirtsbauer in Wolfing und der Kassier ist Matthäus Schmidlechner, der Wirtsbauer in Weyer“.

Prospekt Saatgutreiniger aus dem Jahr 1959
Prospekt Saatgutreiniger aus dem Jahr 1959

Der Kassier Matthäus Schmidlechner hat aus den 1960er Jahren einige Dokumente aufgehoben. Interessant sind der Prospekt der Maschine, das Angebot der Fa. Felix Steiner in Sinzing mit einem Preis der Maschine von 39.700 Schilling, sowie die Stromrechnung der Elektrizitätsgenossenschaft Ostermiething aus dem Jahr 1968 mit 709 Schilling, bei einem Strompreis von 1,20 Schilling pro kWh. Das Mitgliederverzeichnis mit anfangs 86 Mitgliedern aus den meisten Ortschaften von Ostermiething und Haigermoos zeigt, wie stark die Putzmaschine damals genutzt wurde.

Mitgliederverzeichnis der Getreideputzereigenossenschaft Ernsting mit 86 Mitgliedern
Mitgliederverzeichnis der Getreideputzereigenossenschaft Ernsting mit 86 Mitgliedern

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