OA192 - Glockenweihe Ostern 1926
- Karl Mayr
- 11. März
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. März
Was geschah vor 100 Jahren?
Vor genau hundert Jahren wurden für die Kirche in Ostermiething vier neue Glocken geweiht. Besonders schön verziert war die Sterbeglocke, die als einzige den Zweiten Weltkrieg und die Zeit bis heute überdauert hat.
Die Fotos wurden von Mag. Markus Menner aus der Chronik der Pfarre Ostermiething zur Verfügung gestellt.
In den damaligen Printmedien war darüber zu lesen:
Neue Warte vom 22.1.1926
Beim letzten Erntedankfest sprach unser hw. Herr Dechant über das im Ersten Weltkrieg verlorene Turmgeläut und richtete die Bitte an die Pfarrgemeinde, zusammen zu helfen zur Anschaffung eines neuen Geläutes. Auf das hin wurde das Interesse und Fragen nach den Glocken immer reger. In der Glockenfrage wurde vor allem unser hochwürdiger Herr Kooperator Franz Mätzler eine große Stütze, der rastlos auf das Ziel hinarbeitete, bis es möglich wurde, am 6.1.1926 in der Komiteesitzung zur Bestellung zu schreiten. Es wurden da mit dem anwesenden Herrn Oberascher die nötigen Vereinbarungen getroffen und ein Geläute im Gewichte von 3050 Kilogramm bestellt (78 Prozent Kupfer, 22 Prozent Zinn, 5,20 Schilling pro Kilogramm). Die Glocken werden folgende Töne haben: es, g, b, c (Dur-Geläute).
Die 1. Glocke, die große Glocke, wird das Gewicht von 1500 kg erreichen und Krieger- und Friedensglocke genannt. Es kommt auf dieselbe das Bild eines sterbenden Kriegers, dem die Muttergottes erscheint, ferner die Wetterpatrone Johann und Paul. Die 2. Glocke, die Ave Maria-Glocke, Gesamtgewicht 750 kg, bekommt das Bild Mariens und der Mutter Anna. Die 3. Glocke, die Bitt- oder Leonhardi-Glocke, Gewicht 480 kg, ist dem hl. Florian, Sebastian und Leonhard geweiht und bekommt deren Bilder. Die 4. Glocke, die Sterbeglocke, mit einem Gewichte von 320 kg, geweiht dem Sterbepatronen, dem hl Josef und der hl. Barbara mit dem Spruch „Seid Fürsprecher bei Gott, In der Stunde unseres Todes“.

Innviertler Volkszeitung vom 11.3.1926
Am 5. März 1926 wurden in Salzburg in den großen Fabrikanlagen der Firma Franz Oberascher die Glocken für unsere Pfarrkirche gegossen. Mit welchem Interesse und freudig bangem Erwarten die Bewohner unserer Pfarrgemeinde diesem Tage entgegensahen. kann man aus dem ermessen, daß über dreißig Ostermiethinger unter ihnen zwölf Kinder, zu diesem erhebenden Akte nach Salzburg eilten. An ihrer Spitze Bürgermeister Leopold Maier und Kooperator Franz Mätzler.
Es versammelten sich mehrere hohe kirchliche Würdenträger aus Salzburg und eine größere Anzahl Angehöriger der Pfarreien Ranshofen, Burgkirchen bei Braunau und Maria Kirchental. Denn auch für diese Pfarreien wurden gleichzeitig mit den unseren die Glocken gegossen. Weihevolle, andachtsvolle Stille herrschte, als Meister Oberascher um halb 6 Uhr abends mit dem Rufe „Im Namen Gottes und Maria" den Zapfen ausstieß und „mit feuerbraunen Wogen" die Glockenspeise in die Kanäle schoß und die in der Erde vergrabenen Formen füllte. In einer Viertelstunde waren neunzehn Glocken gegossen. Mit hoher Befriedigung kehrten wir in unsere Heimat zurück. Nie werden wir die denkwürdige Stunde vergessen.
Neue Warte vom 9.4.1926
Glockenweihe in Ostermiething. Überaus große Freude brachten uns die heutigen Ostern. Schon am Ostersonntag konnte man die Häuser schön geziert und beflaggt sehen. Von alt und jung, arm und reich heißersehnt, kam der schöne Tag der Glockenweihe, begünstigt durch ein prachtvolles Frühlingswetter. Weithin über unsere friedliche Heimat und als Freudenbotschaft hinüber ins bayrische Nachbarland drang des Nachts der Lichterschein der Turmbeleuchtung. Aus nah und fern eilten schon viele Menschen herbei zur Vorfeier des Festes. Das Turmkreuz war herrlich beleuchtet, schöne Turmmusik kündete allen das Fest, ein Feuerwerk schrieb mit Flammenschrift der Ostermiethinger Freude in die Lüfte und zu feierlichem Fackelzug sammelten sich die Vereine und die Bevölkerung, folgend den Klängen der Musik und einem herrlich geschmücktem Auto.

Am Ostermontag früh morgens weckten die Freudenschüsse der Böller die Leute zum Festtage. Um 8 Uhr bewegte sich der große Festzug zur Kirche, wo Herr Dechant Kaftner unter Assistenz der beiden hw. Herren Valentin und Josef Dietrich den Festgottesdienst hielt. Die geräumige Kirche war voll besetzt. Nach dem Gottesdienst sammelt man sich im Bräuhof König zum Festzug. Eröffnet wurde er von vier Reitern in römischer Tracht und mehreren in gewöhnlicher Tracht. Im Festzug schritten mit Fahne der Kriegerverein, die Feuerwehren von Ostermiething und Ernsting, der Radfahrer- und Turnverein. Auch die Mädchenkongregation nahm vollzählig mit der Fahne teil. Es folgten dann die Ehrenjungfrauen und 49 Glockenpatinnen, darunter 19 mit Goldhauben. Sodann folgten noch das Glockenkomitee, die Beamtenschaft, der Gemeindeausschuß und eine größere Anzahl von Geistlichen aus dem benachbarten Bayern und aus Salzburg. Pferde und Wagen, sowie die Glocken hatten wirklich herrlichen Festschmuck. Die erste Glocke, die kleine, war weiß geschmückt und umstellt von vier kleinen Mädchen in Engeltracht. Die zweite und dritte Glocke trug grünen Reisigschmuck. Als letzte folgte die Kriegerglocke, Neben der Glocke ein Krieger und ein Engel. Ganz besonders konnte sich wohl der Wagen sehen lassen, in dem die Glockenbraut, die Bürgermeisterstochter Viktoria Maier und ihre beiden Begleiterinnen M. Hitzinger und P. Lothaler gefahren wurden.

Der Festzug bewegte sich durch den Ort hinauf zur Kirche. Ein schönes Musikstück eröffnete den Festakt. Es wurde dann ein Glockenlied vorgetragen und sodann ein Gedicht, gut vorgetragen vom Krieger Herrn Johann Knoll aus Riedersbach. Der hw. Herr Dechant hielt eine tief zu Herzen gehende Festansprache und nahm sodann die Weihe der Glocken vor. Der Glockenaufzug begann um halb 12 Uhr. Prompt funktionierte alles. Den Aufzug der Glocken besorgten die Vereine unter den Klängen der Musik. Die Kriegerglocke wurde natürlich vom Kriegerverein aufgezogen. Schon um 4 Uhr haben die Glocken ihr Plätze eingenommen, bereit, die ersten Grüße und Friedensklänge über die Lande zu schicken. Um 4 Uhr sammelten sich die Gläubigen in großer Zahl zu einem aller aus den Herzen kommenden Dank an den lieben Herrgott. Ein schönes Werk hat sich Ostermiething geschaffen, ein Werk, das zeugen wird durch Jahrhunderte von Opfersinn und Glaubensfreude der Bewohner.





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